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Pudendusneuralgie

Die Schmerzaustrahlung der Pudendusneuralgie ist eine häufig schambelastete Schmerzregion, die häufig sowohl Stuhlgang, Wasserlassen und Sexualität beeinflusst. Meisten beklagen die betroffenen über Schmerzen im Genitalbereich, die im Sitzen und bei Druck (Fahrradsattel) vermehrt aufterten und häufig im Liegen verschwinden. Auch ein gefüllter Enddarm kann die Schmerzen verstärken, die dann nach dem Stuhlgang verbessert sind. Der Pudendus Nerv entspringt dem Plexus Lumbosacralis aus den 1. - 4. Kreuzbeinsegmenten und teilt sich in drei Äste auf, die für Genitalschmerzen verantwortlich sind:

1. die unteren Mastdarm Nerven 2. die Dammnerven  und 3. die Penisnerven bzw. Klitorisnerven, die die jeweilige Region nicht nur sensibel sondern auch motorisch versorgen.Über Anatomie und Funktion der Pudendusnerven gibt es hier mehr Information. Wenn der dritte Ast des Nervus Pudendus gereizt ist, verursacht er Penisschmerzen beim Mann und respektive Klitorisschmerzen bei der Frau. Meistens sind  die Nervenschmerzen von Klitoris und Penis einseitig. Wenn die Schmerzen durch eine Reizung des Nervus dorsalis penis bzw. nervus dorsalis clitoridis hervorgerufen werden, verschwindet dieser Schmerz sofort nach einer lokalen Betäubung unterhalb des Schambeins für die Wirkdauer des Medikaments.

Diffuse Schmerzen im Unterleib sind nicht typisch für eine Reizung des Schamnerven. Wir müssen deshalb bei der Pudendusneuralgie sehr genau unterscheiden ob es ein reines Problem der Nerven ist, oder ob nicht auch andere Strukturen- vor allem die Muskulatur des Beckenbodens für die Schmerzausbreitung im Sinne einer Pudendusneuralgie verursachen. Auch die psychischen Ursachen müssen in der Abklärung der Unterleibsschmerzen mit in Betracht gezogen werden. Spezialisten für die Pudendusneuralgie finden Sie bei der Zusatzqualifikation " spezielle Schmerztherapie", bedauerlicherweise finden sich nur wenige Gynäkolog*innen darunter.

Zuvor sollten betroffenen Frauen aber mit Ihrer Gynäkologin / Gynäkologen weiter differentiadiagnostische Ursachen von Schmerzen im Genitalbereich abklären lassen. Hierzu gehört die Vulvodynie, die durch einen diffusen brennenden Schmerz im äusseren Genitalbereich charakterisiert ist. Ebenso das Lichen Sclerosus das zu auch zu einem "Schwund" des äusseren Genitales (Vulva) führt. Die Vestibulodynie ist gekennzeichnet durch eine schmerzhaft überempfindliche Stelle(n) im Scheideneingangsbereich, der Geschlechtsverkehr fast unmöglich  (Dyspareunie) macht. Auch dieser Schmerz wird über den  Nervus pudendus weitergeleitet.

Für viele Frauen ist die Beschreibung und Zuordnung von Schmerzen im Intimbereich nicht ganz einfach und scheitert manchmal an der anatomisch korrekten Bezeichnung. Die äusseren Anteile werden als Vulva bezeichnet und  sind durch die grossen und kleinen Schamlippen sowie die Klitoris definiert.Häufig werden die Schmerzen im Intimbereich als Scheidenschmerzen beschrieben, was jedoch häufig nicht anatomisch korrekt ist.  Im Prinzip kann man sagen, daß die Teile der Geschlechtsmerkmale die äußerlich sichtbar sind als Vulva bezeichnet werden und der sich direkt anschliessende Teil korrekterweise die Scheide (Vagina) ist. Ein Schmerz der sich im Bereich der Scheide befindet, ist der sogenannte Scheidenkrampf, der auch als Vaginismus bezeichnet wird. Der vaginale Geschlechtsverkehr,  das Einführen von Tampons oder gynäkologischen Untersuchungen werden als sehr schmerzhaft empfunden und führen zu Vermeidungsverhalten, sowie Schamgefühlen und einem verringerten Selbstwertgefühl. Eine psychische, biografische Vorgeschichte kann Hinweise auf Traumata geben- muß es aber nicht.Es wird von "konsistentem Vaginismus / Scheidenkrampf" gesprochen, wenn dieser immer bei Berührung auftritt, ein globaler Vaginismus / Scheidenkrampf ist unabhängig von Situation und Partner, während der situative Scheidenkrampf sich auf bestimmte Umstände und /oder Partner beschränkt. Die nicht penetrierende Sexualität kann sehr häufig durchaus genossen werden. Der primäre Vaginismus / Scheidenkrampf hat schon immer bestanden, der sekundäre Vaginismus ist nach einem bestimmten Ereignis entstanden.

In der Therapie werden  dekonditionierende Verfahren verwendet, die sukkzesiv eine  Berührung bis hin zur Penetration (mit Finger, Dilatator, Dildo, Penis) ermöglichen. Eine begleitende psychotherapeutische / sexualtherapeutische Behandlung (wir kooperieren mit SexualtherapeutInnen in Bad Säckingen, Lörrach, Freiburg und Stuttgart) ist stützend sinnvoll oder notwendig. Wir arbeiten beim Vaginismus / Scheidenkrampf auch mit Biofeedback und Beckenbodenübungen. Wenn wir eine urologische Stellungnahme auch mit elektrophysioplogischen Untersuchungen benötigen, können wir auf die Expertise von Frau Prof.Dr. Schultz-lampel in Schwarzwald - Baar Klinikum in Villingen Schwenningen zurückgreifen.

Ist der Nervenast für Penis (Nervus dorsalis penis) bzw. Klitoris (Nervus dorsalis clitoridis) betroffen, führt dies zu meist einseitigen Klitorisschmerzen bzw. Penisschmerzen

Ist der Pudendusnerv in seinem Verlauf in seinem Kanal (Alcock Kanal) eingeengt, spricht man vom Pudenduskanalsyndrom. Typisch ist dabei, daß die Schmerzen im Sitzen verstärkt auftreten und im Stehen geringer werden und beim Sitzen auf der Toilettenschüssel ebenfalls die Beckenschmerzen und Unterleibsschmerzen abnehmen.

Diagnostik der Pudendusneuralgie

Häufig kann schon bei der Befragung zur Krankheitsvorgeschichte der Verdacht auf eine Pudendusneuralgie geäußert werden, wenn der Schmerzbereich der Region des sensiblen Ausbreitungsgebietes des Nervus pudendus entspricht. Zwischen Mann Und Frau unterscheidet sich die genitalschmerzen naturgegebener Weise. Ob ausschliesslich der Nerv selbst betroffen ist oder andere Schmerzursachen in der Region verantwortlich sind muß häufig durch lokale Infiltrationen mit Lokalanästhetika herausgefunden werden.In der Regel betäubt man dann den Pudendus-Nerv - der Schmerz verschwindet dann für die Wirkdauer des Lokalanästhetikums ( wenige Stunden). Wenn dann trotzdem noch Schmerzen bestehen, muß in der Schmerztherapie über eine Betäubung des Plexus sacralis und des Ganglion impar entschieden werden.

Sie können mit einigen Fragen selbst die Wahrscheinlichkeit einer Pudendusneuralgie beurteilen:

Sind die Schmerzen im Zusammenhang mit einer Geburt oder einer Verletzung des Beckens aufgetreten?

Hatten Sie eine Bestrahlung in der Beckengegend?

hatten Sie eine Entzündung in der Beckengegend?

Verstärken sich die Schmerzen beim Sitzen (je härter die Unterlage desto schlimmer)?

Lassen die Schmerzen nach, wenn Sie auf der Toilette sitzen?

Sind die Schmerzen im Liegen deutlich weniger?

Für Frauen: Sind die Schmerzen Im Bereich des Afters oder /und Damm oder / und Vulva (Schamlippen bis Klitoris) wahrzunehmen?

haben Sie seit der Schmerzen Probleme den Urin oder den Stuhlgang zu kontrollliren?

für Männer: Sind die Schmerzen im Bereich des Afters oder / und Dammes oder/ und Hodensackes (nicht die Hoden selbst!) oder Penis / und Eichel wahrzunehmen.

haben Sie seit der Schmerzen Probleme beim Wasserlassen  oder den Stuhlgang zu kontrolliern oder bei der Ejakulation? (die Errektion muss nicht, kann aber sekundär beeinträchtigt sein).

Ist die Genitalregion besonders berührungsempfindlich oder auch bei geringen Reizen (Unterwäsche, enge Hosen, etc.) schmerzhaft?

Nimmt der Schmerz während des Pressens beim Stuhlgang zu und lässt anschliessend nach?

Lassen sich die Schmerzen durch die Blockade mit einem örtlichen Betäubungsmittel kurzfristig ausschalten?

Wenn Sie diese Fragen überwiegend bejahen, ist eine Pudendusneuralgie eher wahrscheinlich. Wenn nicht, ist  es aber auch nicht ausgeschlossen.

Folgende Befunde machen eine (ausschliessliche) Pudendusneuralgie eher unwahrscheinlich:

Ausstrahlung in andere Regionen ausserhalb der Genitalregion, z.B. Beine, Gesäß, Lendenwirbelsäule.

Wenn Sie mit unserem Schmerzzentrum wegen einer möglichen Pudendusneuralgie Kontakt aufnehmen möchten, ist es sinnvoll sich über diese Fragen schon Gedanken gemacht zu haben.

 

 

 

 

Behandlung der Pudendusneuralgie

Wenn der Schamnerv (nervus pudendus) die Schmerzursache darstellt, kann die zuvor mit positivem Ergebnis durchgeführte Testblockade unter Hinzufügung von Cortison wiederholt durchgeführt werden. Sollte hierunter keine ausreichend lang anhaltende Schmerzlinderung der Pudendusneuralgie erreicht werden, bietet sich ein Kryoneurolyse / Nervenvereisung des Pudendusnerven an. Die Vereisung ist bei der Pudendusneuralgie nicht wirksamer wie die örtliche Betäubung, aber hält in der Regel nicht Stunden sondern mehrere Monate bis zu zwei Jahren an. Das betrifft allerdings auch die sensible Empfindsamkeit in der betroffenen Region. Eine weitere Behandlungsoption stellt die Injektion von Botulinumtoxin (BTX / Botox) in die Muskulatur des Beckenbodens dar, durch die eine indirekte muskuläre Reizung des Pudendus Nerven verhindert werden kann. Sollte der Pudendusnerv im Sinne eines Nervenengpasses im Pudenduskanal(Alcock Kanal) gereizt sein, ist prinzipiell auch eine operative Freilegung des Nerven zu erwägen.

Obwohl der Pudendusnerv überwiegend sensibel ist, hat er jedoch sowohl Fasern des vegetativen Nervensystems, auch muskuläre motorische Funktionen, die die Muskulatur der Harnröhre, des Schliesmuskels am After und den Beckenboden betreffen können.

Für Mediziner können wir folgende weiterführende Literatur als medizinische  Dissertation von Axel Aichner: zur transglutealen Blockade des nervus pudendus (2014) empfehlen: